{"id":97,"date":"2008-12-29T23:52:11","date_gmt":"2008-12-29T21:52:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.idioten-notschlachten.de\/blog\/?p=97"},"modified":"2009-01-02T10:39:31","modified_gmt":"2009-01-02T08:39:31","slug":"neulich-im-t-punkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.idioten-notschlachten.de\/blog\/2008\/12\/29\/neulich-im-t-punkt\/","title":{"rendered":"Neulich im T-Punkt"},"content":{"rendered":"<p>Seit ich mein Notebook habe, verlieren lange Zugfahrten etwas ihres Schreckens. Anstatt sinnlos herumzusitzen und die vorbeirasende Landschaft anzustarren oder zu versuchen, die Gespr\u00e4che mitreisender Idioten zu ignorieren, kann man durchaus vern\u00fcnftige Dinge tun. Mails schreiben, Texte korrekturlesen, Blogeintr\u00e4ge verfassen, &#8230;<\/p>\n<p>Problematisch wird es, wenn man die Mails auch verschicken, die Blogeintr\u00e4ge auch publizieren oder zu den Texten inhaltlich recherchieren m\u00f6chte. Denn dann braucht man einen Internetzugang. Zwar gibt es\u00a0 gelegentlich in Bahnhofsn\u00e4he freundliche (oder ahnungslose) Anwohner, die ein unverschl\u00fcsseltes WLAN betreiben und das &#8220;WLAN im Bahnhof&#8221; l\u00f6st auch ohne Anmeldung zumindest DNS-Anfragen auf, aber auf Dauer ist das nicht das Wahre.<\/p>\n<p>Also versuche ich, mich \u00fcber Angebote f\u00fcr mobiles Internet zu informieren und arbeite dazu die verschiedenen Netzbetreiber ab. Mein erster Besuch gilt einem magentafarbenen Laden&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->Ja, erfahre ich dort, nat\u00fcrlich h\u00e4tten sie ein mobiles Internet-Flatrate-Angebot. Nennt sich web&#8217;n walk connect L, kostet 39,95 monatlich. Und sie h\u00e4tten da eine gro\u00dfartige Aktion, bei der ich f\u00fcr einmalig einen Euro ein Notebook dazubek\u00e4me.<\/p>\n<p>Ich deute auf meine umgeh\u00e4ngte Notebooktasche und erkl\u00e4re, dass ich dessen nicht bed\u00fcrfe, da ich ja bereits stolzer Besitzer eines Notebooks sei. (Dass das gro\u00dfz\u00fcgig angebotene Notebook mir technisch nicht ganz den Stand der Technik darzustellen scheine und ich von daher in dieser Dreingabe wohl eher den Versuch einer kostenneutralen Elektronikschrottentsorgung s\u00e4he, vermeide ich an dieser Stelle zu erw\u00e4hnen. Ebenso wie &#8211; eingedenk <a href=\"?p=48\">einschl\u00e4giger Erfahrungen<\/a> &#8211; meinen Wunsch, meine Ger\u00e4tschaften mit Linux zu betreiben.)<\/p>\n<p>Ein kundenorientierter Verk\u00e4ufer h\u00e4tte dies zur Kenntnis genommen und mir hinfort Angebote ohne Notebookdreingabe unterbreitet. Aber nicht dieser: Ja, das Dreingabenotebook k\u00f6nne ich ja weiterverkaufen. Oder, mischt sich eine zweite Verk\u00e4uferin ein, das sei doch ein tolles Weihnachtsgeschenk.<\/p>\n<p>Da ich erstens alle Weihnachtsgeschenke bereits habe und zweitens \u00fcblicherweise meine Verwandten nur ungern mit Elektronikschrott beschenke, lehne ich noch einmal ab und versuche, das Beratungsgespr\u00e4ch explizit dahingehend zu steuern, dass ich keine sinnlosen Dreingraben w\u00fcnsche. Hui, da f\u00fchlten sie sich pers\u00f6nlich angegriffen. Schlie\u00dflich w\u00fcrden sie sich hier extra M\u00fche geben, mir ein Notebook zum quasi geschenkten Preis von einem Euro (plus Mindestvertragslaufzeit mal monatlicher Grundgeb\u00fchr) zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Aus Sorge, ich k\u00f6nne diese Wohltat vielleicht inhaltlich nicht ganz nachvollzogen haben, verschwindet der Verk\u00e4ufer kurz im Hinterzimmer, kommt mit einem der besagten Notebooks (von mir der \u00dcbersichtlichkeit halber im Folgenden mit &#8220;Elektronikschrott&#8221; abgek\u00fcrzt) wieder und versucht, mir das gro\u00dfz\u00fcgige Angebot noch einmal quasi mit Handpuppen vorzuspielen. Ich wei\u00df nicht, in welchem Verkaufsseminar er das gelernt hat, aber mich beeindruckt es ehrlich gesagt nicht wirklich. Eher hab ich den Eindruck, dass er mich f\u00fcr etwas doof h\u00e4lt, was das Verk\u00e4ufer-Kunden-Verh\u00e4ltnis tendenziell weiter abk\u00fchlt.<\/p>\n<p>Vorl\u00e4ufig finde ich mich damit ab, den Elektronikschrott mitzunehmen und \u00fcber eBay weiterzuverklappen und frage nach dem, was mich wirklich interessiert: Wie ich mit <em>meinem<\/em> Notebook denn den mobilen Internetzugang nutzen k\u00f6nne?<\/p>\n<p>Ja, deswegen sei das Notebook (er meinte den Elektronikschrott) so toll, weil der habe schon einen Sim-Karten-Leser eingebaut. In mir steigt wieder einmal der Drang nach argumentationsunterst\u00fctzender Gewaltanwendung auf, aber noch kann ich mich beherrschen. Stattdessen begebe ich mich auf seine Ebene herab und spiele das Handpuppenspiel mit, indem ich den Elektronikschrott demonstrativ beiseite stelle und noch einmal nachfrage, wenn ich den Elektronikschrott \u00fcber eBay verklappt oder meinem verhassten Stiefcousin vierten Grades geschenkt h\u00e4tte, wie ich denn mit <em>meinem<\/em> (demonstratives Draufzeigen) Notebook ins Internet k\u00e4me.<\/p>\n<p>Ok, mit dieser Handpuppenunterst\u00fctzung d\u00e4mmert auch ihm langsam, dass ich den Elektronikschrott nicht will. Er bleibt auf dieser Argumentationsebene, greift sich einen UMTS-Stick und legt ihn vor mir auf den Tresen. Auf dem Blatt Papier, auf dem er zuvor schon den Preis f\u00fcr die Mobil-Datenflat und den Elektronikschrott notiert hat, erg\u00e4nzt er monatlich f\u00fcnf Euro.<\/p>\n<p>Moment mal. Ich will nur den UMTS-Stick, ein St\u00fcck Hardware. Wieso dann bitte monatlich abdr\u00fccken? &#8211;\u00a0Ja, da sei ja eine Sim-Karte und ein Vertrag dabei. Und nat\u00fcrlich k\u00f6nne ich mir auch anderswo einen UMTS-Stick kaufen, aber die w\u00fcrden 170 Euro und mehr kosten. Und wenn man dann f\u00fcnf Euro mal 24 Monate rechne, k\u00e4me man deutlich g\u00fcnstiger weg. &#8211;\u00a0Aber wenn ich nach der Mindestvertragslaufzeit trotzdem weiter den Stick benutzen will? Dann zahle ich ja in der Summe mehr. &#8211;\u00a0Nein, ich k\u00f6nne ja den Vertrag zum Stick k\u00fcndigen, dann k\u00f6nne ich den Stick behalten, ich m\u00fcsse dann nur die Sim-Karte aus dem Elektronikschrott in den Stick einlegen. Wenn ich wolle, k\u00f6nne man die K\u00fcndigung auch jetzt sofort vornehmen und den Vertrag auslaufen lassen, dann m\u00fcsse ich in 24 Monaten nicht mehr dran denken.<\/p>\n<p>Langsam wird mir das alles zu wirr und absurd und ich bitte ihn, das nochmal \u00fcbersichtlich aufzuschreiben. Also h\u00e4tten wir: Den mobilen Datenflat-Vertrag (39,95\/Monat), den Elektronikschrott (1,- einmalig) und den UMTS-Stick (5,-\/Monat). Und dann f\u00e4llt ihm ein, der koste au\u00dferdem noch einmalig 39,95, was seine vorteilhafte Rechnung von vorher nicht mehr ganz so vorteilhaft aussehen l\u00e4sst. Handpuppenkonform wird alles wieder sch\u00f6n vor mir aufgestapelt.<\/p>\n<p>Ok, frage ich, und angenommen, ich wolle mir die Elektronikschrottentsorgung ersparen (stelle das Ding wieder demonstrativ beiseite) und auch das Ein-Euro-Sonderangebot nicht annehmen (streiche demonstrativ die Zeile auf seinem Zettel durch)?<\/p>\n<p>Seine Kollegin springt ihm nochmal zur Seite und versucht noch einmal, mir w\u00e4rmstens den Elektronikschrott ans Herz zu legen, schlie\u00dflich bek\u00e4me ich damit ja gratis ein Notebook und k\u00f6nne das ja noch gewinnbringend weiterverticken. Und ein dritter Kollege macht mir auch noch einmal klar, dass die beiden mir ja nur etwas Gutes tun wollen.<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst mir das ganze aber nicht vertrauenserweckender erscheinen und so bestehe ich darauf, das Ein-Euro-Sonderangebot zu streichen.<\/p>\n<p>Ohne es zu wissen, habe ich ihn damit in die Ecke gedr\u00e4ngt. Denn nun kann er nicht mehr anders, als zuzugeben, dass ich dann den Stick ohne Aufpreis zu meinem Vertrag dazubek\u00e4me.<\/p>\n<p>Und an dieser Stelle musste ich erstmal tief Luft holen.<\/p>\n<p>Um das nochmal zu rekapitulieren: Der Typ hat mich eine Viertelstunde lang zugetextet, nur um mir anstelle dessen, was ich von ihm wollte, Schrott anzudrehen, den ich ausdr\u00fccklich <em>nicht<\/em> wollte und dann das, was ich <em>eigentlich<\/em> wollte, nochmal kostenpflichtig draufzusatteln. Und dann auch auch noch versucht, mich f\u00fcr bl\u00f6d zu verkaufen, als ich das nicht schlucken wollte.<\/p>\n<p>Naja, es gibt ja noch mehr Anbieter, mal schaun, was die so drauf haben&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich mein Notebook habe, verlieren lange Zugfahrten etwas ihres Schreckens. Anstatt sinnlos herumzusitzen und die vorbeirasende Landschaft anzustarren oder zu versuchen, die Gespr\u00e4che mitreisender Idioten zu ignorieren, kann man durchaus vern\u00fcnftige Dinge tun. 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